ArtikelEil/Finkenberg

Ein Thema nicht nur für Wohlhabende

Ernährung und Nachhaltigkeit geht alle Menschen etwas an – auch Kinder in Finkenberg

Es ist der letzte Tag des Projektes „Gesund und nachhaltig Essen erLEBEN in Finkenberg“. Acht Jungs im Alter zwischen 11 und 14 Jahren haben sich in diesem Projekt mit ihrer Nahrung und mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Damit räumt Saskia Meyer gleich mit zwei Vorurteilen auf: 1. Menschen in benachteiligten Stadtteilen interessieren sich weniger für gesundes Essen und Nachhaltigkeit und 2. Diese Themen sind nichts für pubertierende Jungs.

Die Gruppe hat an den Wochenenden gemeinsam eingekauft, sich angehört, was Gesundheit, Nachhaltigkeit und Vegan bedeuten, hat gemeinsam gekocht und gegessen. Und das Fazit: „Ich wusste gar nicht, dass vegan so lecker ist“, stellte der 12-jährige Jarik fest.  Er war erstaunt, wieviel Zucker sich überall versteckt. Nikita fand die gemeinsame Müllsammelaktion beeindruckend. „Es fühlt sich gut an, etwas zum Schutz des Lebensraumes zu tun“.  Lano, 12-Jahre fand: „Erschreckend war, wie viele angegessene Brötchen, Einwegbesteck und Flaschen von alkoholischen Getränken allein zwischen Bürgerzentrum und dem Parkplatz  der Gesamtschule in den Büschen liegen.

Genau dieser Verschwendung möchte die Ernährungswissenschaftlerin Saskia Meyer mit ihrer Initiative FOODerstand entgegenwirken. „Jeder kann etwas für die eigene Gesundheit und gegen den Klimawandel tun“, ist sie überzeugt. Sie selbst ist ebenfalls in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen und weiß daher auch genau, dass solche Themen nicht nur in wohlhabende Stadtteile gehören. Sie ist davon überzeugt, dass jeder ein Recht auf gesunde und nachhaltige Ernährung hat, egal, wo er oder sie wohnt.

„Ich fand es gut, dass wir es nicht nur bei Worten belassen haben, sondern auch Taten folgten“, sagt der 19-jährige Simon, der das Projekt im Rahmen eines sozialen Jahres unterstützte, „es war ein schönes Zusammenspiel von Theorie und Praxis, sowohl beim Müll als auch beim Kochen.“

Ali (r.) kann sich durchaus vorstellen, einmal Koch zu werden. Die neuen Küchenutensilien wird er sicher nutzen. Auch Abdul war mit Begeisterung dabei. Foto: Robels

Die Hälfte der Kursteilnehmer überlegt, das Kochen zum Beruf zu machen, darunter der 11-jährige Ali: „Ich weiß jetzt endlich wie ich ein Messer richtig verwende und kann die Schneidegriffe.“  Der ein oder andere freut sich vielleicht auch darauf, mal wieder etwas Ungesundes zu essen. Doch werden sie künftig bewusster einkaufen, anders kochen, sich besser ernähren. Und das Wissen weitergeben.

Zum Abschluss des Kurses bekamen alle eine große Einkaufstasche mit nach Hause. Hier drin finden sich Utensilien/Arbeitswerkzeuge, die in jede gesunde Küche gehören. Und die Kids haben gelernt, damit umzugehen. Und aus den acht Jungs plus Geschwistern und Freunden ist eine Gemeinschaft geworden, die gerne weiter ganz freiwillig und an den Wochenenden zum Unterricht gekommen wäre.

Bildung kann auch Spaß machen. Ernährungswissenschaftlerin Saskia Meyer weiß, wie sie Kinder und Jugendliche erreichen kann. Foto: Robels

Wer weiß, vielleicht gibt es eine weitere Finanzierung für ein anschließendes Projekt. In dem Umweltpädagogen Christian  Zimmermann  hat Saskia einen Mitstreiter gefunden. Gemeinsam wollen sie ein nächstes Projekt für die Kids in Finkenberg planen, denn auch die Kids hier haben ein Recht auf Bildung und Gesundheit. Den Plan, Saskia Meyer zukünftig im Essbaren Garten des Jugend- und Gemeinschaftszentrums Glashütte zu besuchen, haben die Jungs bereits gefasst.

Finanziert wurde das Projekt, welches im Bürgerzentrum Finkenberg stattfand, übrigens aus dem  Programm „Starke Veedel – Starkes Köln“  für Wohnbereiche in Porz, Finkenberg, Gremberghoven und Eil.